Gaming-Tastaturen sind nicht nur für Gamer da

Tastaturen, die nicht gerade in die Billigst-Kategorie fallen, bringen oft allgemein nützliche Eigenschaften mit. Aber als Zielgruppe werden – zu unrecht – meistens nur Computerspieler angesprochen.

Spiel-Controller und Tastatur mit bunter Beleuchtung.
An einen PC kann man natürlich ähnliche Controller wie an Spielkonsolen anschließen, aber auch beim Spielen ist die Kombination aus Maus und Tastatur oft unübertroffen. Die Tastaturhersteller freut das sicher, denn wer gibt schon bereitwilliger ein Vermögen für einzelne PC-Komponenten aus als Gamer?

In den vergangenen Jahren sah es aus, als würde ich trotz täglicher PC-Arbeit das Tippen verlernen. Das Zehn-Finger-System hatte ich zwar nie beherrscht, aber selbst die Zeichen, die bei meinem relativ langsamen Schreiben am Monitor auftauchten, machten immer mehr den Eindruck als würde ich mit Fäustlingen tippen.

Erst vor wenigen Monaten kam mir dann eine Idee: Vielleicht sind es weder meine Hände noch meine grauen Zellen, die auf den Schrottplatz gehören, sondern meine Tastatur. Immerhin war dieses Ding nicht nur eines der ältesten Peripheriegeräte an meinem PC, sondern obendrein eines der billigsten. Dass manche Tasten immer schlechter reagierten, war mir erst bewusst geworden, als ich sie schon mit aller Kraft durchdrücken musste und sie selbst dann nicht immer mitspielten.

Das Fazit war klar: Etwas Neues und Besseres musste her. Als praktisch denkender Langweiler, der ich bin, wollte ich nichts Extravagantes haben, nichtsdestotrotz ist es dann doch etwas geworden, was wahrscheinlich die wenigsten Menschen von mir erwarten würden, nämlich eine Gaming-Tastatur – also eine Tastatur für Computerspieler. Was solche Tastaturen bieten, ist nämlich keineswegs nur für Computerspieler interessant.

Mechanik-Kult

Die neue sollte eine sogenannte mechanische Tastatur sein. Ich hatte nämlich schon oft aufgeschnappt, dass solche insgesamt eine bessere Haptik haben, sich also beim Tippen besser anfühlen. Dass sie in der Regel auch deutlich länger halten, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst, ist aber natürlich auch von Vorteil für jemanden wie mich, der die meisten Nutzgegenstände erst austauscht, wenn sie schon an archäologische Fundstücke erinnern.

Ein besonders bekanntes Kult-Gerät unter den mechanischen Tastaturen ist das sogenannte Model M. Weil sich der Kult vor allem auf die Produkte aus den 80ern und 90ern bezieht, in denen diese Tastaturen ihren Höhepunkt hatten, sehen sie mittlerweile zwar auch wie Museumsstücke aus, aber im Gegensatz zu meiner Billigtastatur sollen viele davon immer noch unverändert gut funktionieren.

Weiß-graue QWERTZ-Tastatur ohne Windows-Tasten.
Model M: Mechanischer Kult-Klassiker mit 90er-Jahre-Flair. (Bildquelle: Dmitry Nosachev, CC BY-SA 4.0, Bild verkleinert und komprimiert)

Mit Unicomp gibt es auch heute noch einen Hersteller in den USA, der geringfügig modernisierte Varianten vermarktet. Weil es aber auch andere mechanische Tastaturen gibt, sah ich keinen Grund, mich auf etwas so Spezielles zu versteifen, was man erst einmal aus Übersee importieren müsste. Außerdem bin ich nicht nur Langweiler, sondern auch Billigheimer, und diese Geräte gehören definitiv nicht zu den günstigen.

Drück mich und ich leiste Widerstand!

Ein wesentliches Merkmal von Tastaturen ist die Methode, mit der sie eine Taste nach dem Drücken wieder in ihre Ausgangsstellung bringen. Billige Tastaturen verwenden dazu einfache Gummiglocken (Rubberdome), die man ein Stück nach unten drückt und die sich danach wieder in Form bringen. Ein Tastendruck fühlt sich auch dementsprechend »weich« an und die Verwendung von Gummi ist der wesentliche Grund, warum diese Tastaturen schlecht altern.

Bei mechanischen Tastaturen gibt es dagegen unterschiedliche Technologien. Die Model-M-Geräte verwenden eine ganz eigene Knickfedertechnik. Bei den meisten anderen Geräten unterscheidet man zwischen farbigen Schaltern, die unterschiedliche Eigenschaften mit sich bringen.

Die Tastatur, die ich mir letztendlich zugelegt habe, hat blaue Schalter. Das bedeutet, dass die Tasten nach einer kurzen Strecke einen Druckpunkt erreichen, an dem man einen spürbaren Widerstand überwinden muss – und sobald man diesen überwunden hat, ertönt ein Klicken.

Eine entfernte Tastenkappe gibt den darunter liegenden Schalter frei, der in der Mitte eine kreuzförmige, blaue Erhebung hat.
Blaue Schalter heißen nicht bloß so. Sie sind tatsächlich blau.

Natürlich ist dieser Widerstand nicht sehr groß. Man muss also keine Angst haben, dass das Tippen zum Fingermuskel-Bodybuilding ausartet. Der kleine Widerstand ist aber hilfreich, weil man genau spürt, wann ein Tastendruck registriert wird und wann nicht. Probleme wie bei meiner alten Tastatur, wo ich etwa die Umschalt-Taste schon mit aller Kraft drücken musste und trotzdem nie sicher war, ob sie funktioniert, gehören damit der Vergangenheit an.

Tasten wollen hoch hinaus

Was bei der typischen mechanischen Tastatur deutlich auffällt und viele Leute abschrecken könnte, ist die Tastenhöhe. Während praktisch jede Technologie in den letzten Jahrzehnten einen Schlankheitswahn durchlebt hat, sind die Tasten auf diesen Geräten genauso klobige Blöcke wie sie es schon in den 80er-Jahren waren.

Ursprünglich dachte ich mir, dass sich die Tasten dadurch wahrscheinlich haptisch besser unterscheiden lassen, aber wenn ich mir meine neue Tastatur jetzt ansehe, kann ich mir damit nur einen Teil der Höhe erklären. Die Tasten sind durch Wölbungen und Schrägen zwar so geformt, dass man sie besser ertasten kann als auf einer Tastatur im Schokoladetafelformat, aber selbst wenn man das berücksichtigt, bleiben noch ein paar Millimeter übrig, die aus meiner Sicht nicht notwendig wären.

Zwei Bilder zeigen die Tastenformen. Oben: Von der Seite betrachtet sind alle Tastenreihen mehr oder weniger zur Mitte der Tastatur hin abfallend abgeschrägt. Unten: Von vorne aus der Nähe betrachtet hat jede Taste eine leichte Mulde.
Schrägen und Mulden nimmt man aus dem gewohnten Blickwinkel von oben kaum wahr, aber dem Tastsinn geben sie hilfreiche Anhaltspunkte. Eine komplett flache Tastatur hat dagegen keinen Spielraum für solche Formen.

Vielleicht kommt die Höhe dadurch zustande, dass die mechanischen Schalter einen gewissen Platz nach oben hin benötigen und es einfach ästhetischer aussieht, wenn diese Schalter weitgehend von der Tastenkappe verdeckt werden. Für die Ergonomie kann ich als Laie jedenfalls keinen Vorteil darin erkennen und frage mich, ob es nicht sogar ein kleiner Nachteil ist, weil ich das Handgelenk stärker anwinkeln muss, wenn mein Unterarm flach am Tisch aufliegt.

Generell sollte man bei der Höhe auch zwischen zwei Dingen unterscheiden:

  • Der Höhe der Tastenkappen.
  • Den Spielraum unter den Tastenkappen.

Wenn ich bis jetzt von Tastenhöhe gesprochen habe, hat sich das ausschließlich auf die Tastenkappen bezogen, also die einzelnen Kunststoff-Abdeckungen, auf denen Buchstaben, Zahlen und Befehle angebracht sind. Ebenso muss man aber auch beachten, wie weit man diese Taste hinunterdrücken kann – wie groß also der Spielraum unter der Kappe ist.

Eine Kritik an mechanischen Tastaturen lautet, dass das Schreiben viel anstrengender wäre, weil man die hohen Tasten ja viel weiter nach unten drücken müsse. Betrachtet man nur die Tastenkappe, würde das keinen Sinn ergeben. Wenn ich mir einen Zylinder aufsetze, muss ich mich ja schließlich auch nicht weiter zum Boden hinunter beugen als wenn ich eine Baseball-Kappe auf dem Kopf hätte.

Diese Kritik bezieht sich also auf den Spielraum. Und ja: Dieser Spielraum unter der Tastenkappe ist bei meiner neuen Tastatur tatsächlich recht groß und trägt damit noch einmal ein gutes Stück zur Gesamthöhe bei. Allerdings muss ich die Tasten nicht bis zum Anschlag durchdrücken. Der Druckweg, bis die Taste reagiert, ist nicht länger als auf meiner alten Billigtastatur.

Taste wird ca. zwei Millimeter nach unten gedrückt.
An dieser Stelle befindet sich der Druckpunkt, ab dem die Taste reagiert. Dass man sie deutlich weiter drücken kann, heißt nicht, dass man sie deutlich weiter drücken muss.

Unterhalb des Druckpunktes habe ich bloß noch Leerlauf. Dadurch werden meine Finger beim Tippen angenehm abgefedert, während ich auf meiner alten Tastatur zwangsläufig immer bis zum Anschlag kam.

Wer das Schreiben auf mechanischen Tastaturen als anstrengend empfindet, hat vermutlich seine Tipptechnik nicht entsprechend angepasst. Ich habe an den ersten Tagen auch noch viel zu grob in die Tasten geschlagen, weil ich es nicht anders kannte.

Saturday Night Keyboard

Wie eingangs schon erwähnt, richten sich die meisten mechanischen Tastaturen an Computerspieler. Und weil viele Gamer auf Hardware stehen, die ähnlich »gepimpt« ist wie das Auto eines Gangster-Rappers, sind diese Tastaturen auch passend ausgestattet.

Konkret heißt das: Diese Tastaturen werden mit ihrer integrierten, kunterbunten LED-Beleuchtung beworben. Statt einfach nur weiße Zeichen auf schwarzen Tasten zu liefern, läuft über die gesamte Tastatur ein schrill leuchtender Regenbogen. Und das Wort »läuft« kann man hier wörtlich nehmen, denn je nach Einstellung ist diese Beleuchtung sogar animiert. Dann laufen ununterbrochen bunte Wellen über die Tastatur oder die Tasten leuchten wild durcheinander in zufälligen Farben auf.

Ich selbst mag ja ein Langweiler sein, aber ich kann nicht einmal nachvollziehen, inwiefern sich Gamer von so etwas angesprochen fühlen können. Sollten gerade die sich nicht auf den Bildschirm konzentrieren und die Tastatur blind beherrschen? So eine Disco-Kugel unter den Fingern ist da doch nichts als eine störende Ablenkung.

Screenshot aus Amazon-Suche mit einer Übersicht bunt beleuchteter Tastaturen.
Um so ein Suchergebnis auf Amazon zu bekommen, muss man nicht etwa nach »Zirkustastatur« suchen. Es genügt der Suchbegriff »Mechanische Tastatur«.

Da man aber kaum etwas Anderes bekommt, war meine wesentliche Frage für die Kaufentscheidung: Kann man diesen Blödsinn ausschalten? Und zum Glück kann man es – zumindest bei der Tastatur, die ich letztendlich gekauft habe.

Ideal ist das in dieser Form allerdings auch nicht, weil die Tastenbeschriftung ganz ohne Beleuchtung relativ geringe Kontraste hat. Letztendlich habe ich die Beleuchtung dann doch wieder eingeschalten, weil es zumindest eine Konfiguration gibt, mit der man die LED auf dezentes Weiß stellen kann. In dieser Form finde ich die Beleuchtung jetzt doch ganz angenehm und schick.

Drei Bilder mit unterschiedlicher Tastaturbeleuchtung. Oben: ohne Beleuchtung. Mitte: bunte Beleuchtung. Unten: weiße Beleuchtung.
Ganz ohne Beleuchtung sind die Tastenbeschriftungen im Halbdunkel schwer zu lesen, aber neben dem Disco-Inferno gibt es zum Glück auch dezente Beleuchtungsmodi.

Tasten auf einem Brett: eine saubere Angelegenheit

Bei meinem Stöbern nach Tastaturen bin ich noch auf ein weiteres verbreitetes Merkmal gestoßen: Viele Geräte haben um die Tasten herum kein Gehäuse. Stattdessen besteht die Tastatur nur aus einem flachen Brett, auf dem die Tasten praktisch frei schweben. Das macht der englischen Bezeichnung Keyboard (»Tastenbrett«) alle Ehre.

Im ersten Moment packte ich das gedanklich in die Schublade »extravaganter Design-Unsinn«. Aber nachdem ich dann kurz darüber nachgedacht hatte, machte ich eine 180-Grad-Wende und es wurde letztendlich genau so eine Tastatur.

Mir war nämlich plötzlich in Erinnerung gekommen, wie viel Dreck sich ständig in den Spalten meiner alten Tastatur ansammelt. Das Gehäuse um die Tasten herum ist das größte Hindernis, um ihn dort wieder weg zu bekommen. Im Nachhinein betrachtet kann ich gar nicht mehr nachvollziehen, warum jemand überhaupt so eine Blockade um die Tasten herum baut.

Schreib lauter, ich hör dich nicht!

Für den Schluss dieses Artikel habe ich mir den größten Kritikpunkt an mechanischen Tastaturen aufgehoben: ihre Lautstärke. Nachdem mir nur eine einzige solche Tastatur zur Verfügung steht, kann ich keinen Vergleich zwischen verschiedenen Varianten anstellen, aber zumindest für mein Modell gilt definitiv: Die Kritik ist berechtigt.

Vier Visualisierungen von Audio-Spuren mit immer geringeren Ausschlägen.
Lautstärkevergleich. Spur 1: Meine mechanische Tastatur, wenn ich grob in die Tasten schlage. Spur 2: Meine mechanische Tastatur, wenn ich sanft tippe. Spur 3: Meine alte Billig-Tastatur. Spur 4: Eine neuere Billig-Tastatur. (Screenshot aus dem Audio-Programm Audacity)

Wie gesagt verwende ich blaue Schalter, die sich dadurch auszeichnen, dass ein Klicken ertönt, wenn man den Druckpunkt überwindet. Das ist ein praktisches Zusatzsignal, um zu erkennen, ob eine Taste wie gewünscht ausgelöst hat – oder auch ein Warnsignal, wenn man ungeschickterweise eine Taste gedrückt hat, die man eigentlich nicht drücken wollte. Im Gegenzug gehören diese Tastaturen aber zu den lautesten, die man für gutes Geld bekommen kann.

Als Benutzer gewöhnt man sich schnell daran, aber wäre meine Wohnung kein Single-Haushalt, hätten mich meine Mitbewohner mittlerweile wahrscheinlich vor die Tür gesetzt – und zwar vor die Haustür, denn durch die Wohnungstür würde man mich immer noch zu laut tippen hören.

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