Drohnen dröhnen

Derzeit sieht man immer wieder tolle Konzepte von fliegenden Drohnenhelfern. Aber ein Aspekt wird dabei vollkommen ausgeblendet: Die Dinger machen einen Höllenlärm.

Ich halte mir die Ohren zu.
(Fotomontage, Drohnenbild von Schekinov Alexey Victorovich, Michael-Treml-Bild von Michael Treml)

Drohnen sind seit Jahren ein präsentes Thema in den Medien, nur hat sich die Bedeutung des Wortes in der Zwischenzeit ein wenig gewandelt. Verstand man unter Drohnen ursprünglich noch sündteure Militärgeräte, mit denen das US-Militär Hochzeitsfeiern Überraschungsbesuche abstattet, findet man heute vor allem Berichte über Geräte, die im Wesentlichen nichts Anderes als Modellhubschrauber sind.

Ein wenig erinnert mich dieser Hype an eine Phase, in der mehrere meiner Verwandten sich an Modellflugzeugen versuchten. Diese Beschäftigung bestand zu geschätzten 95 Prozent aus Herumbasteln, 1 Prozent Fliegen und 4 Prozent, um den Flieger anschließend im angrenzenden Wald zu wieder zu finden und vom Baum zu bekommen. Ein Verwandter schwenkte dann auf Modellhubschrauber um. Nach einem ersten voreiligen Flugversuch und dem anschließenden Einsammeln der Wrackteile bestand seine Beschäftigung dann zu etwa 99 Prozent aus Basteln und zu 1 Prozent Mit-Rotorwirbel-am-Boden-herumschaukeln.

Quadrocopter als Allheilmittel

Fairerweise muss man sagen: Mein Verwandter hatte noch »richtige« Modellhubschrauber, die ihren großen Vorbildern mit Heckrotoren nachempfunden waren und nach entsprechenden Fachkenntnissen und Feingefühl verlangten. Die heute als Drohnen bezeichneten Modelle verfolgen dagegen das Ziel, von jeder noch so plumpen Wurstfingerhand gesteuert werden zu können – erfolgreich, wie man am aktuellen Hype sieht.

Manche dieser Geräte kommen durch ausgeklügelte Systeme mit einem einzigen Rotor aus. In der Regel handelt es sich aber um Quadrocopter, also Helikopter mit vier Rotoren. Vor allem unter größeren Modellen ist auch noch die Bauweise mit acht Rotoren verbreitet, die sich entsprechend Octocopter (lat. octo = acht) nennt. Modelle mit anderer Anzahl sind eher unüblich, obwohl sich ein Sexcopter (lat. sex = sechs) sicher allein seines Namens wegen gut verkaufen würde.

Drohnen sind derzeit ähnlich wie Apps oder Cloud-Anbindung die Lösung für alles – zumindest, wenn es nach verrückten Erfindern geht. Diese Flugdinger sollen Sportler filmen, Pakete ausliefern, Essen servieren und Berggorillas den Rücken rasieren. Gut, den letzten Punkt habe ich möglicherweise frei erfunden … aber man sieht, wohin die Reise geht.

Über Lärm spricht man nicht

Die eine oder andere Anwendung wirkt zugegeben wirklich wie aus einem Science-Fiction-Film, insbesondere dann, wenn die eigentliche Technik in einem Gehäuse versteckt wird und die Drohne etwa als schwebender Würfel oder Halbkugel daherkommt. Da könnte man wirklich meinen, dass schon bald helfende Roboter durch Büro und Wohnung schweben werden. Nur gibt es einen Aspekt, der hier in der Präsentation für gewöhnlich totgeschwiegen wird: die Geräuschkulisse.

Die Videos, die solche Drohnenkonzepte zeigen, sind in fast allen Fällen mit entspannender 70er-Jahre-Pornomusik unterlegt, während der Original-Sound komplett ausgeblendet wird. Und das aus gutem Grund. Bei einem Video mit Originalton ist es gleich vorbei mit dem Wunsch nach so einem Begleiter in Büro oder Wohnung.

Solche Drohnen sind und bleiben Hubschrauber – und das ist unüberhörbar. Man könnte sie auch mit Rasenmähern vergleichen, schließlich befinden sich auch in diesen mehrere Rotoren – nur eben mit Klingen. Wie attraktiv ist dann noch die Vorstellung einer Drohne als Kellner? Die Vorstellung eines Restaurants, in dem einem ständig fliegende Rasenmäher um die Ohren sausen?

Aber die utopischen Träume von Drohnen als Alltagsobjekten sind nicht nur künstlerische Spinnereien von irgendwelchen Bummelstudenten. Google wurde dieses Jahr allen Ernstes ein Patent auf eine Drohne zugesprochen, die etwa in Meetingräumen für Telekonferenzen eingesetzt werden sollte. Diese Idee muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen.

Schweig, Drohne!

Natürlich ist es immer leicht, über eine Technik herzuziehen, die noch in den Kinderschuhen steckt. Aber momentan sieht es nicht so aus, als würde das Lärmproblem überhaupt thematisiert werden und rein physikalisch wird es auch alles Andere als einfach zu lösen sein. Vielleicht lassen sich die Schallwellen irgendwann gebündelt dorthin lenken, wo sie niemanden stören oder man schafft es, sie durch weitere Wellen aus Lautsprechern zu neutralisieren, aber wenn Google sein Patent noch vor dem unvermeidlichen Ablaufdatum nutzen will, müsste das in weniger als 20 Jahren passieren.

Wenn man derzeit ein wenig durch Online-Foren streift und dort jemanden findet, der seine Drohne »flüsterleise« gemacht hat, dann definiert derjenige das näher als »in 50m Entfernung kaum mehr zu hören«. Für mein Wohnzimmer wäre das dann wohl noch immer nicht geeignet, da dieses doch ein gutes Stück kürzer als 50 Meter ist.

Klein, aber nicht oho

Eine der besten Methoden zur Geräuschreduktion liegt derzeit sicher darin, die Dinger möglichst klein zu bauen. So ein Flugzwerg erinnert dann vielleicht nicht mehr so sehr an einen Rasenmäher, sondern eher an einen Bienenschwarm. Etwas besser, aber immer noch ganz schön nervig.

Vor allem ist diese Verkleinerung aber auch nicht die ultimative Lösung, weil so ein schwachbrüstiger Winzling für noch weniger Aufgaben geeignet ist als seine großen Brüder. Ein Drohnen-Kellner in Smartphone-Größe könnte einem bestenfalls zwei Minz-Drops und die Rechnung servieren.

Damit bleiben die Anwendungsfälle für Quadro-, Octo- und sonstige Copter derzeit recht beschränkt. Für Videoaufnahmen aus der Luft sind sie sicher ein fantastisches Werkzeug und als Lieferdrohnen könnten sie sich zumindest in Nischen – zum Beispiel bei unwegsamen Gelände – durchsetzen. Schwebende Wunderobjekte in den eigenen vier Wänden sollten wir uns vorerst aber nicht erwarten.

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