Artikelfrequenz: heute 20, morgen 0

Was würdest Du davon halten, wenn ich alle Artikel eines Jahres an einem einzigen Tag veröffentliche? Nichts? Dann bist Du in bester Gesellschaft – nämlich in meiner!

Eine volle und eine leere Ablage

Wie ich in meinem ersten Artikel schon geschrieben habe, will ich hier nach der nun zu Ende gehenden Einführungsphase nur noch ein bis zwei Artikel pro Monat veröffentlichen. Logischerweise sollten diese Artikel in halbwegs ähnlichen Zeitabständen erscheinen – und nicht etwa zwei Artikel am Monatsletzten und nochmals zwei am Tag darauf. Aber ist das wirklich so selbstverständlich?

Meine erste Website

WIESOSO? ist ja nicht meine erste Website, allerdings die erste mit einem klaren inhaltlichen Konzept. Meine erste Seite war ein wildes Sammelsurium aus Weihnachtsmann-Zeichnungen, Urlaubsfotos, schwulstiger Prosa und anderen tollen Sachen. Ich hatte dort fast alles hochgeladen, was ich irgendwann irgendwie erzeugt hatte. Allein das war wohl schon eine Gestaltungs-Sünde, die einen eigenen Artikel wert wäre. Aber nun steht erst einmal etwas Anderes im Mittelpunkt: Die Aktualisierungszyklen.

Obwohl ich die Seite etwa vier Jahre lang aktiv betrieben hatte, wurden in dieser Zeit durchschnittlich nur fünf Mal im Jahr neue Inhalte veröffentlicht. Und das lag nicht etwa daran, dass die Seite inhaltslos war, sondern daran, dass ich das meiste stoßweise hochgeladen hatte – so etwa 20 neue Fotos an einem einzigen Tag.

War das nun schlecht? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Sehen wir uns zuvor noch ein anderes Beispiel an!

Ein anderes Beispiel

Um auf dem Laufenden zu bleiben, folge ich wie jeder vernünftige Blogger auch anderen Seiten mit ähnlichen Themen. Eine davon ist UXmatters.

Auf UXmatters werden sehr professionelle Texte zum Thema User Experience veröffentlicht – zumindest glaube ich das, denn um ehrlich zu sein, habe ich bisher noch keinen einzigen gelesen. Mein größtes Hindernis sind dabei die Veröffentlichungszyklen.

Es werden nicht etwa gleichmäßig über die Tage verteilt neue Artikel freigegeben, sondern nach einem Schema, das aussieht als wäre es beim Kuhfladen-Bingo festgelegt worden. Mal sind es zehn Artikel pro Tag, mal null – ohne erkennbares System. Im August 2016 wurden an nur zwei Tagen jeweils fünf Artikel veröffentlicht, aber an den restlichen 29 Tagen des Monats nichts.

Artikelfrequenz auf UXmatters
Derzeit werden auf UXmatters immer zehn Artikel pro Monat veröffentlicht, aufgeteilt auf jeweils zwei Tage. Noch vier Monate zuvor gab es aber auch 20 Artikel an nur zwei aufeinander folgenden Tagen.

Mein Problem mit solchen Zyklen ist, dass ich damit überfordert werde. Da bin ich ein bisschen wie der Frosch im kochenden Wasser. Wirft man mich ins kochende Wasser, springe ich gleich wieder heraus, aber setzt man mich ins kalte Wasser und erwärmt es langsam, werde ich zum Franzosenschmaus. Diese Frosch-Geschichte ist zwar ein biologischer Unsinn, aber eine schöne bildliche Metapher.

Umgelegt auf das Internet sagt diese Metapher folgendes aus: Bekomme ich jeden Tag einen kurzen Artikel, stehen die Chancen gut, dass ich ihn zumindest überfliege. Bekomme ich aber stattdessen einmal im Monat 30 Artikel, überfliege ich wahrscheinlich bestenfalls die Überschriften.

Qualvolle Unvorhersehbarkeit

Wahrscheinlich klingt es erst einmal etwas albern, wenn ich sage, dass ich mit dem Lesen von fünf Artikeln überfordert bin. Immerhin erscheinen in klassischen Magazinen auf Papier viel mehr Artikel gleichzeitig – und es soll tatsächlich noch Menschen geben, die solche Familie-Feuerstein-Medien lesen.

Der größte Unterschied: Das Offline-Magazin ist berechenbar. Man weiß, wann die nächste Ausgabe erscheint und wie dick sie etwa sein wird. Auf UXmatters ist das nicht der Fall. Weder Veröffentlichungszeitpunkte noch Artikellänge sind vorhersehbar. Von fünf Artikeln, die etwa am 08.09.2016 erschienen sind, war der kürzeste rund vier A4-Seiten lang, der längste 50 Seiten. Ein waschechtes Überraschungspaket.

Insgesamt sind an diesem einen Tag knapp 100 Seiten an Inhalt erschienen. Klar, niemand zwingt mich dazu, das alles am selben Tag zu lesen. Ich könnte es mir auch aufteilen, aber ehrlich gesagt empfinde ich es dann viel eher als Arbeit – und zwar als eine Arbeit, die eigentlich der Websitebetreiber übernehmen hätte sollen. Und vor allem weiß ich nie, ob nicht morgen schon die nächsten 100 Seiten erscheinen.

Unregelmäßige Intervalle haben mitunter auch einen gewissen Leichen-Effekt auf neue Besucher. Stelle Dir vor, Du kommst auf eine Seite, auf der vor einem Monat im Stundentakt neue Artikel veröffentlicht wurden, aber jetzt herrscht seit 30 Tagen Stille. Wirkt doch, als hätte der Autor plötzlich das Zeitliche gesegnet, oder? Also warum dieser Seite noch folgen?

Wann ist Unvorhersehbarkeit OK?

Wie ich weiter oben angedeutet habe, muss Unregelmäßigkeit aber nicht unbedingt ein Problem darstellen. Es kommt immer auf die konkrete Seite und den konkreten Inhalt an.

Meine erste Website war wie beschrieben ein regelrechter Wühltisch. Das war eine Seite, auf der man einmalig herumstöbert und vielleicht irgendwann einmal wieder vorbei schaut, aber sicher keine Seite, die man regelmäßig besucht. Daran hätten auch regelmäßigere Aktualisierungen nichts geändert. So eine Seite kann durchaus auch ihre Charme haben – man sollte sich nur der Schwächen bewusst sein. Ich war es mir nicht immer. Deshalb hatte ich damals auch einen Newsletter für ein atemberaubendes Publikum von zwei Abonnenten.

Weiter ist der Umfang der Inhalte wichtig. Dass ich auf meiner alten Website an einem Tag 20 Fotos auf einmal hochgeladen hatte, wird wohl niemanden überfordert haben. Solche Lichtbilder betrachtet man ohnehin eher flüchtig und die gleiche Menge an Fotos machen Instagram-Hipster heutzutage während des Mittagessens von ihrer glutenfreien Gemüse-Lasagne. Veröffentlichte ich stattdessen 20 Artikel wie diesen hier gleichzeitig, sähe die Sache anders aus.

UXmatters ist kein Wühltisch und die Artikel sind alles Andere als leichte, glutenfreie Kost. Wenn man die Seite nur sporadisch besucht, wird man allein schon aus Zeitgründen kaum mehr als ein bis zwei Artikel lesen und durch die gruppierte Veröffentlichung gehen einzelne Artikel unter. Das empfinde ich eigentlich als ziemlich schade.

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